0

Schnittmuster Rezension: Pepernoot Coat

Soooo heute möchte ich Euch nun von meinen Erfahrungen mit dem Schnittmuster des Pepernoot CoatsHooded Coat -Pepernoot- (size 34-48) – von Waffle Patterns | yuki design berichten.

Das Schnittmuster kommt als sogenanntes „Schicht“-pdf-Dokument. Das bedeutet, dass Ihr Euch jede Größe des Schnittes einzelnd anzeigen lassen und Euch die gewünschte Größe dann auch entsprechend selektiert ausdrucken könnt. Das spart zum einen Tinte und es schafft auch mehr Klarheit, denn wie es ja die meisten von Euch kennen, an Stellen wie z.B. Abnähern ist sonst immer ein kaum durchschaubarer Haufen an Linien, die sich bei Mehrgrößenschnitten ohne „Schichten“ kaum auseinander halten lassen. Ich empfinde es daher auf jeden Fall als Pluspunkt! Es wird übrigens – wie eigentlich jedes pdf-Schnittmuster – unskaliert, also auf 100% ausgedruckt.

Da ich nun – nach ausführlicher Studie der Größenangaben – für meine Proportionen 2 Größen benötigte, habe ich mir die Größen 38 (für Schultern & Brust) und 36 (ab Taille abwärts) anzeigen lassen und mir den Schnitt dann auch so ausgedruckt. Ab der unteren Ansatzlinie für die Ärmel habe ich dann beide Größen entsprechend mit einer Linie verbunden und den Schnitt dann so ausgeschnitten. Da ich dennoch immer skeptisch bin (Erfahrungswerte), besonders wenn es um die Bewegungsfreiheit an den Schultern und dem oberen Rücken geht, habe ich dann erst einmal einen Probemantel genäht. Alles paßte wunderbar, lediglich am unteren Rücken dachte ich, dass der Schnitt für mich ggf. zu weit seit könnte, doch da ich ja geplant hatte, den Mantel anständig und dick zu unterfüttern habe ich mich hier (letztendlich muß ich sagen: Zum Glück!!!) gegen eine Änderung entschieden und habe den Schnitt dann (bis auf die Kombination meiner 2 Größen) so verwendet wie er auch entwickelt wurde.



Tipp: Da man für eine solche Probe ja normal „nur“ den Obermantel näht, probiert Euren Probemantel unbedingt mit einem entsprechend großen und dicken Pulli, denn am Ende wollt Ihr ja noch das Futter reinmachen UND – wenn es wie bei mir ein Wintermantel werden soll – auch noch entsprechend warme Kleidung drunter tragen.

Soweit so gut, nun hätte ich am liebsten sofort losgelegt, doch vorher hatte ich für mich noch folgende Fragen zu klären: Was für Stoffe möchte ich nehmen, welche Details möchte ich einarbeiten und was für Material brauche ich dafür. Ich mag nun einmal keine Synthetikfasern (wie z.B. Softshell oder Fleeze) und Walkloden ist mir erfahrungsgemäß einfach zu schwer. Also was nun!? Letztendlich habe ich mich – weil ich die Farbe einfach liebe – für einen einfachen Baumwollköper in Grau-blau von stoffe-hemmers.de entschieden, ob das nun die richtige Wahl ist/war (der Stoff knittert doch sehr sehr doll) wird sich über die Zeit erst wirklich rausstellen, dafür war er aber auch nicht all zu teuer, obwohl die Qualität echt schön ist.

Als Futter wollte ich unbedingt ein richtig warmes Steppfutter, denn Baumwollköper hält nun mal nicht warm, also muß die wärmende Eigenschaft für meinen Wintermantel allein vom Futter kommen. Aber auch da viel mir die Entscheidung schwer, denn etwas „Pepp“ sollte meine Mantel ja schon haben und im Handel habe ich ausschließlich einfarbige Steppfutter gefunden und die waren mir zu langweilig. Außerdem habe ich bereits einen „Übergangsmantel“ mit gekauftem Steppfutter und der ist für den Winter einfach nicht warm genug. Also was nun? Ergebnis: Ich habe mich über alle möglichen Volumenvliese erkundigt und bin dann beim Surfen auf das High-Tech Thermo Insulation – Vlies von MEIDA® gestoßen. Es soll dünn, weich, leicht aber dennoch windabweisend, hochisolierend und atmungsaktiv sein. Wow…. mehr kann man sich doch gar nicht wünschen, oder? Aber das Vlies alleine ist ja noch kein richtiges Futter, also brauchte ich noch einen schönen gemusterten Futtertaft um mir mein eigenes Steppfutter herstellen zu können. Hier bin ich dann beim Ebay-Shop von Nirotextil fündig geworden. Alle weiteren Zutaten wie Garn, Knöpfe, Paspelband, Reißverschlüsse, sowie den Sweatshirtstoff für die Innenkapuze stammen von Stoff & Stil.

Die Anleitung zu meinem DIY – Steppfutter findet Ihr übrigens HIER!

Nun aber zurück zum Schnittmuster:
Die Anleitung, bzw. das Schnittmuster gibt es auf englisch und auf japanisch, es ist wirklich gut bebildert und trotz der recht knappen Beschreibung gut zu verstehen. Absoluten Nähanfängern würde ich allerdings von diesem Schnitt eher abraten, da einige Näh-Vorkenntnisse durchaus vorausgesetzt werden. (Der Schnitt ist aber auch passend als „Advanced“, also für „fortgeschritte“ Näher gekennzeichnet).

Es beinhaltet eine Nahtzugabe von 1,2cm, welche (zum Glück) im Schnitt gesondert eingezeichnet ist, denn ich orientiere mich beim Nähen immer an den Skala unter meinem Nähfüßchen und meine Nähmaschine hat dort nun mal nur folgende Unterteilungen: 1cm – 1,5cm – 2cm – etc. Hieß für mich: Nahtzugabe vom Papierschnitt abschneiden und meine gewünschte Nahtzugabe von 1cm dann beim/vorm Zuschnitt am Stoff anzeichen. Aber das ist ja nun wirklich kein Problem.

Zuerst habe ich dann meinen Aussenmantel genäht. Hierbei habe ich im Oberteil Paspelband eingearbeitet (um die tollen gerundeten Nähte zu betonen) und auch als Umrandung für die Manschetten habe ich es eingesetzte. (siehe Foto etwas weiter unten) Etwas Angst hatte ich vor den Taschen, bzw. den Reißverschlüssen in den Taschen, denn solche in der Art hatte ich vorher noch nie genäht, doch die Anleitung hat mich da Schritt für Schritt durchgeführt, so dass meine Angst unbegründet war.

Und auch die Ärmel ließen sich trotz der Einhalteweite wunderbar mit Hilfe der Anleitung (obwohl ich in dieser Art auch vorher schon immer meine Ärmel eingesetzt habe) faltenfrei einnähen. Hier auf dem Bild sieht der Ärmel zwar noch recht zerknautscht aus, aber da kommt ja noch mein Steppfutter drunter!

Für eine Rundumansicht meines Aussenmantels klickt bitte HIER oder schaut auf meinem Instagram-Profil vorbei!

Ansonsten empfand ich die Anleitung (für meinen Näh-Level) als vollkommen ausreichend, gut verständlich und auch leicht umzusetzen.

Nur einen kleinen Punkt habe ich bei diesem Schnittmuster etwas zu bemängeln:
Das Schnittmuster für das Futter! Die Beispiel-Fotos, mit denen der Mantel vermarket wird, zeigen einen dicken Wintermantel mit dickem Futter. Der Schnitt enthält dann aber ein Futter-Schnittmuster für ein einfaches dünnes Futter. Dieses wird zwar bereits in der Beschreibung auf der Webseite gesagt, doch ich finde es etwas irreführend. Denn wieso etwas anderes zeigen als das was man dann am Ende verkauft? Was mich besonders verunsichert hat, ist das ich dann leider nirgends finden konnte ob dieser Futterschnitt denn trotzdem auch für dickes Steppfutter verwendet werden kann oder ob es dann nicht paßt oder den Mantel vielleicht sogar verzieht. Letztendlich, nachdem ich bei ein paar anderen Näherinnen, die diesen Schnitt schon genäht und ihn dabei mit einem dicken Futter versehen haben, nachgefragt habe, habe ich das Futterschnittmuster für mein Futter einfach so verwendet wie es ist. Und es paßt wunderbar!

Vielleicht mach ich mir da manchmal aber auch einfach zu viel Sorgen! 😀
Etwas mehr Klarheit hätte ich mir in diesem Punkt allerdings schon gewünscht, denn ein solcher Mantel ist ja durchaus ein recht großes Projekt, welches je nach Material schon etwas ins Geld gehen kann.

Hier ist er nun, mein Futtermantel:
Auf dem Foto seht Ihr auch die einzelnen Schnittteile meines selbst hergestellten Steppfutters. Die Anleitung zu meinem DIY – Steppfutter findet Ihr HIER!

Wichtig: Wenn Ihr wie ich nur das Futter als wärmenden Teil habt, unterfüttert unbedingt auch die Belege (diese werden aus dem Oberstoff zugeschnitten), denn ansonsten haben Ihr einen großen Teil der Vorderseite, sowie den Abschluß zur Kapuze im Nacken des Mantels ungefüttert. Ich habe hierfür einfach die Belege noch einmal aus meinem Volumenvlies zugeschnitten und alles dann zusammen verarbeitet. + Achtet unbedingt darauf auch alle im Schnitt gekennzeichneten „Bewegungsfalten“ mit einzuarbeiten, ansonsten könnte es doch etwas „eng“ werden.

Auf den folgenden Fotos könnt Ihr (hoffentlich) ein paar der Bewerbungsfalten erkennen. Diese befinden sich sowohl an den Ärmeln, als auch an der Taillennaht.

Als kleinen Zusatz weil ich das immer recht praktisch finde, habe ich mir noch einen Mantel-Aufhänger und sogar noch eine Paspel-Tasche ins Innenfutter eingearbeitet. Die Tasche ist mir zwar nicht perfekt gelungen (war mein erster Versuch), aber nunja, sie erfüllt Ihren Zweck und ich find sie trotzdem toll. 😉

Der einzigen Teil, bei dem ich jetzt nicht der Anleitung gefolgt bin, sondern es so gemacht so wie ich es immer mache, ist das Einnähen der Kapuze. Die habe ich nämlich jeweils einzelnd angenäht. Aussenstoff-Kapuze an Aussenmantel und Innenkapuze (aus Sweatshirtstoff und Volumenvlies) an Futtermantel. Erst bei Einsetzen des Futtermantels in den Aussenmantel habe ich diese dann verbunden. Beim Rest (also der Fertigstellung des Mantels – dem Einsetzen des Futtermantel in den Aussenmantel bin ich dann wieder strickt der Anleitung gefolgt und mag mein Ergebnis sehr. Auch wenn ich normal kein großer Freund davon bin per Hand zu nähen, den Saum und auch die Ärmelbündchen per Hand anzunähen war bei meinem dicken Futter sicherlich die optimale Wahl, denn so hat sich nichts verzogen und es haben sich auch keine „Beulen“ gebildet. Ganz am Ende habe ich den Manschetten dann allerdings doch noch Knopflöcher verpaßt (einfach nur ’nen Knopf draufzunähen fand ich irgendwie zu „billig“ für solch einen tollen Mantel) und die passenden Knöpfe angenäht.

Fertig ist mein neuer Wintermantel und YEAH, ich liebe ihn. <3

Er paßt genau so wie ich es mir vorgestellt habe und er sieht – wie ich finde – auch großartig aus. Aktuell ist er allerdings noch etwas steif und faltig (besonders an den Ärmeln), doch das war mein letzter mit solch einem Futter auch, das legt sich alles, wenn man ihn ein Weilchen trägt. (Anmerkung: Manchen mögen die Ärmel evtl. etwas zu weit und zu lang erscheinen, doch das hier ist schließlich ein Wintermantel und ich trage meine Kleidung immer gerne in „Lagen“, so dass ich diese Weite und Länge auch benötige um mich noch anständig bewegen zu können und um auch keine kalten Finger auf dem Rad zu bekommen.) Nur ob er wärmetechnisch das hält was das Volumenvlies versprochen hat, muss ich noch testen, doch bei der Anprobe hier in der Wohnung wurde mir fast umgehend zu warm. Es wirkt also schon mal vielversprechend!

Mein Fazit:
Ich kann dieses Schnittmuster wirklich empfehlen, allerdings nicht für absolute Näh-Anfänger, der „Fortgeschrittenen-Level“, wie im Schnitt angegeben, ist durchaus angebracht. Die Details sind einfach nur schön und toll durchdacht, die Größenangaben für diesen Schnitt passen wunderbar, die Anleitung (soweit man englisch oder japanisch kann) ist zwar knapp (in Stichpunkten), dafür aber leicht verständlich geschrieben und durch die vielen anschaulichen Bildern auch leicht nachvollziehenbar.

Danke Yuki für diesen großartigen Schnitt, ich liebäugel bereits mit anderen Deiner Schnitte! 🙂