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Schnittmuster-Hack: Kapuzenjacke

Heute möchte ich Euch zeigen wie ich ein Schnittmuster für einen Kapuzenpullover in eine Kapuzenjacke mit diagonalem Reißverschluß umgewandelt habe. Dieses funktioniert eigentlich mit jedem Pullover-Schnittmuster, wichtig ist allerdings, dass dieser Schnitt normale und keine Raglanärmel hat.

Und so geht’s:

Teil 1: Reißverschluß in den Schnitt einarbeiten
Nehmt das Vorderteil Eures Pullover-Schnittmusters, dieses Schnittteil ist ja normal immer nur halb vorhanden da es im Bruch zugeschnitten wird und kopiert dieses einmal oder druckt es doppelt aus. Klebt diese beiden Teile dann an der Bruchlinie zusammen und Ihr habt ein vollständiges Vorderteil für einen Pullover vor Euch liegen.

Nun legt Ihr fest von wo bis wo Ihr nun Euren Reißverschluß haben möchtet, zieht dort eine gerade Linie und schneidet das Vorderteil (VT) an dieser Linie durch. (An dieser Schneidelinie wird später der Reißverschluß verlaufen).

Teil 2: vordere Saum-Bündchen anpassen + Reißverschlußlänge ermitteln
Um beim Saumbündchen die richtige Reißverschluß-Schnittlinie zu bestimmen (dieses ist ja immer schmaler als der Pulli breit ist), nehmt Ihr das Schnittteil für das vordere Saumbündchen oder die Größenangaben für dieses und zeichnet es Euch auf, bzw. legt es vor Euch hin. Nun messt Ihr die Breite des unteren Randes der „neuen“ Vorderteile aus.

Hier habt Ihr dann z.B. für Vorderteil 1 (VT1) = 20 cm & für Vorderteil 2 (VT2) = 30 cm (Gesamtbreite des Vorderteils am unteren Rand also = 50cm) ausgemessen. Die Breite des Saumbündchens des Schnittes mit dem Ihr arbeitet wird (z.B.) mit 43 cm angegeben.

Rechnung (Dreisatz):
50 cm ≙ 43 cm -> (50 cm Bundbreite des Vorderteils entsprechen einer Bündchenlänge von 43 cm)
Breite VT1 = 20 cm ≙ ?    (Rechnung: 20×43:50) = 17,2 cm = Bündchenbreite VT1
Breite VT2 = 30 cm ≙ ?    (Rechnung= 30×43:50) = 25,8 cm = Bündchenbreite VT2

Kontrolle: 17,2 cm + 25,8 cm = 43 cm (= beim Pullover vorgegebene vordere Bündchenbreite – stimmt also!)

Nun wisst Ihr wie breit die Saumbündchen für die beiden Vorderteile sein müssen, nämlich Saumbund VT1 = 17,2 cm und Saumbund VT2 = 25,8 cm. Jetzt nur noch diese beiden Angaben am Schnittteil (oder Eurer angefertigten Zeichnung) des vorderen Saumbündchen abmessen und an dieser Stelle die diagonale Teilungslinie Eures „Jacken-Vorderteils“ verlängern. So habt Ihr die richtige Schräge und die passende Breite für die Saumbündchen Eurer Jacke mit diagonalem Reißverschluß.

Um jetzt die Länge des benötigen Reißverschlusses zu bestimmen, müßt Ihr zusätzlich noch die Höhe des Saum-Bündchens mit einrechnen, denn dieses habt Ihr ja gerade an der Vorderseite für den Reißverschluß in zwei Teile aufgeteilt.

Wichtig: Unbedingt bei der Längenermittlung Eures Reißverschlusses darauf achten, ob Eurer Schnitt inkl. oder exkl. Nahtzugabe ist, ist die Nahtzugabe bereits enthalten, müßt Ihr diese natürlich noch von der ausgemessenen Länge abziehen um die korrekte Länge für Euren Reißverschluß zu bekommen.

Teil 3: Belege (meine Version) oder Jacke unterfüttern
Die Belege könnt Ihr in der Form und Breite relativ frei bestimmen, diese sollten allerdings immer mit der Schulternaht und dem Halsausschnitt abschließen. (siehe Zeichnung). Wollt Ihr es Euch einfacherer machen, könnt Ihr die Jacke auch komplett unterfüttern, dazu braucht Ihr beide Vorderteile in doppelter Ausführung (einmal für Aussen und einmal als Futter) und zumindest auch das Rückenteil noch doppelt. Dieses bedeutet im Ganzen jedoch wesentlich mehr Material (Stoff), dafür aber einen sauberen Abschluß an der Kaputze ohne diesen „von Hand nähen“ zu müssen. Ich habe mich hier erst einmal für die ungefütterte Variante mit Belegen und einlagigem Rückenteil entschieden, da dies zum einen mein erster Versuch der Umsetzung ist und ich zum anderen auch nur eine recht begrenzte Menge meines Sweatstoffes zur Verfügung habe. „Sauberer“ (Innenseite) wird aber sicher die gefütterte Variante aussehen.

Teil 4: Tasche + Umklappbeleg
Hierfür habe ich mir was besonderes überlegt und das schmalere Vorderteil meiner Jacke (VT2) noch einmal kopiert und an der Seitennaht eine Rundung (ca. ab 1/2 Armausschnitt bis zu der Höhe auf ich gerne meinen Tascheneingriff haben wollte, weggeschnitten. An dieser Rundung wird dann später ein Bündchen angenäht und der oberen Teil noch einmal mit einer zusätzlichen Naht am VT2 befestigt, so dass nur noch der eigentliche Tascheneingriff offen bleibt.

Für den Umklappbeleg (leider fällt mir dafür kein besseres Wort bzw. eine bessere Beschreibung ein) habe ich mich an dem anderen Schnittteil – dem VT1 – bedient und ein dreieckiges Schnittteil mit der Rundung des Halsausschnittes erstellt. Diese habe ich aus dem Grunde noch angelegt, da mich besonders bei Sweatjacken immer stört, dass genau am Hals ein Loch bleibt. Und ich mag es nun einmal gerne warm, bzw. windgeschützt am Hals und möchte nicht immer Tücher tragen müssen. Durch dieses kleine Extrateil kann ich die später unten liegende Kapuze entsprechend „lang“ lassen und den Halsauschnitt „verschließen“, so dass die Kapuze fast wie bei einem richtigen Hoodie, dessen Kapuze von Schulter zu Schulter am Halsauschnitt befestigt wird, sitzt. Und damit er etwas stabiler ist und von der „gefütterten“ Kapuze nicht verzogen wird, habe ich dieses Schnittteile doppellagig vorgesehen. (Zusatz: Wer mag, bzw. Angst davor hat das dieser Umklappbeleg beim Tragen verrutscht, kann hier noch einen einnähbaren Druckknopf oder auch eine kleine Schlaufe mit einen passenden Knopf mit einarbeiten um den Umklappbeleg so entsprechend auf der Innenseiten (unsichtbar) zu fixieren.

Hier nun meine neuen Schnittteile für das Vorderteil meiner Kapuzenjacke:

Die roten Linien kennzeichnen hier die Stellen an denen Ihr noch Nahtzugabe zugeben müßt. Dieses habe ich bei meinem Schnitt nur an diesen Stellen noch machen müssen, da mein verwendeter Grundschnitt (zusammengesetzt aus 2 verschiedenen Schnittmustern von zwei unterschiedlichen Herstellern) ansonsten bereits Nahtzugabe enthält. Ich habe mich zum Einsetzen meines Reißverschlusses für eine Nahtzugabe von 1,5cm entschieden und für den Tascheneingriff habe ich eine Nahtzugabe von ca. 0,7cm (Nähfüßchenbreit) für das noch anzunähende Bündchen gewählt.

Teil 5: Kapuze
Ich habe hier eine Kapuze verwendet die von Schulter zu Schulter beim Hoodie angenäht wird und aus nur 2 (bzw. mit Futter 4) Teilen besteht. Es gibt auch tolle Kapuzen die aus jeweils 3 Teilen bestehen. Diese könnt Ihr natürlich auch benutzen, denn alles worauf Ihr an diesem Punkt achten müßt ist die unterschiedliche Ausschnittbreite an die Ihr die Kapuze anpassen müßt. Heißt ausmessen und die Länge der „Spitzen“ anpassen, der Teil der Kapuze der an das Rückenteil genäht wird bleibt ja gleich, da sich dort ja nichts verändert hat. Hier seht Ihr nun ein ungefähres Beispiel meiner Veränderung der Schnittteile. Beide Seiten mußte ich etwas kürzen, die eine so, dass die Kapuze mit dem Reißverschluß abschließt (K-VT1) und die andere (K-VT2) so das die Kapuze am Ende des Umklappbeleges endet.

Soooo… die Schnitt-Anpassungen für meinen Kapuzenjacke mit diagonalem Reißverschluß sind nun fertig. Die Schnittteile für Ärmel, Ärmelbündchen, Rückenteil, sowie hinterer Saumbund bleiben wie sie sind, also genau so wie beim Pullover.

Viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren! Über Feedback und/oder Fotos Eurer Jacken würde ich mich freuen!

Hier auf jeden Fall ein Foto der ersten Umsetzung meines Schnittmuster-Hacks (inkl. meiner eigenen Taschenidee) und was soll ich sagen…. ich mag sie sehr! 🙂

PS: Da sich evtl. der ein oder andere fragen wird wie diese ganzen Teile nun auch noch richtig zusammengesetzt werden, evtl. folgt in einiger Zeit auch noch eine passende Nähanleitung. Zum jetzigen Zeitpunkt könnt Ihr mir aber gerne einfach eine Email schreiben und ich helfe Euch so gut ich kann weiter.
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